Ausbildung zum Pflege-Guide

Liebe UFH-Kolleginnen,

 
der Vorstand hat mich gebeten, Euch von der Ausbildung zum Betrieblichen Pflege-Guide zu erzählen, die Anne Weber, Hannelore Wehner, Renate Sauerbier, Eva Deisenroth und ich gemeinsam mit sechs Mitarbeitern des Amtsgerichtes am 10.03.2017 abgeschlossen haben. Der erste Ausbildungstag war am 21.02.2017. Beide Tage waren randvoll mit Informationen.


Betrieblicher Pflege-Guide: Was ist das wohl, werdet Ihr denken: Den Ausdruck „Guide“ kennt Ihr vielleicht eher vom Urlaub, wo einen ein Guide durch eine Schlucht oder zu Sehenswürdigkeiten führt.

 
Als Betrieblicher Pflege-Guide sind wir die Ansprechpartner in unseren Betrieben, wenn Mitarbeiter in die Situation kommen, kurzfristig oder auf Dauer einen Familienangehörigen pflegen zu müssen. Statistisch trifft das künftig jeden Fünften. Damit soll in der Firma signalisiert werden, dass die Mitarbeiter nicht alleine sind, sollte diese sehr schwierige Aufgabe zu bewältigen sein.

 
In der Ausbildung wurde thematisiert, wie schwerwiegend die Herausforderungen sind, wenn es plötzlich in der Familie einen Pflegefall gibt und was es bedeutet, wenn man die Situation in der Verantwortung für einen pflegenden Angehörigen mit der Verantwortung und dem Einsatz am Arbeitsplatz vereinbaren muss. Viele Betroffene stehen plötzlich vor schier nicht zu bewältigenden Doppelbelastungen und sprechen nicht darüber, vielleicht auch aus Angst um den Arbeitsplatz.

 
In dieser Situation sind die Betrieblichen Pflege-Guides Ansprechpartner. Wir können und dürfen zwar nicht im Detail beraten, denn das Thema Pflege ist sehr, sehr umfangreich.
Aber es gibt vielfältige Unterstützungsangebote und wir können verschiedene Anlaufstellen nennen, an die sich die Betroffenen wenden können um Hilfe zu bekommen.
Im konkreten Fall geht es darum, den pflegenden Mitarbeiter als Arbeitskraft zu erhalten. Wir wissen alle, wie rar unsere Fachkräfte sind und wie wenig wir auf gut eingearbeitetes Personal verzichten können. Deshalb gilt es, mit dem oder der Betroffenen die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege zu überlegen und das hängt von vielen Faktoren ab, wie zum Beispiel dem Krankheitsbild und dem Hilfenetz. Wichtig dazu sind aber auch Informationen zu den rechtlichen Voraussetzungen wie Vollmachten, bis hin zur Finanzierung und den finanziellen Belastung für die Familie.

 
Leider ist die Pflegeberatung in den verschiedenen Bundesländern unterschiedlich geregelt. In Hessen gibt es inzwischen in jedem Landkreis einen Pflegestützpunkt, der unabhängig und neutral berät – auch vor Ort in den Haushalt des zu Pflegenden kommt. Wir fünf UFHs waren gemeinsam in Fulda beim Pflegestützpunkt und haben dort umfangreiche Informationen bekommen. – In Tann gibt es übrigens auch ein Pflege-Beratungsbüro, aber das ist kein unabhängiges Büro, sondern eine Pflegestation mit Namen Maria Theresia, sozusagen die Konkurrenz zur bereits agierenden Diakoniestation.

 
In Thüringen gibt es insgesamt nur drei neutrale Pflegestützpunkte.

 

 
Da der Wohnort des zu Pflegenden und nicht die Arbeitsstelle ausschlaggebend für die Zuständigkeit ist, habe ich mich auch im Wartburgkreis und in Schmalkalden-Meiningen informiert. Die Mitarbeiterinnen der dort installierten Seniorenberatungs-büros waren sehr überrascht und dankbar, als ich ihnen von der Ausbildung zum Betrieblichen Pflege-Guide erzählte. Sie meinten übereinstimmend, das sei sehr vorbildlich und spräche sehr für unsere Firma. Von beiden Landkreisen bekam ich Unterlagen zugeschickt.

 
Es gibt sehr vielfältige Hilfen, aber – wie so oft – man muss selber aktiv werden. Das fängt bereits im Krankenhaus an, wenn zum Beispiel ein Familienangehöriger mit Schlaganfall oder einer anderen schlimmen Diagnose konfrontiert wird, dann gibt es in den Krankenhäusern Sozialdienste, die helfen, z.B. ein Pflegebett etc. zu organisieren. Aber es ist wichtig als Angehöriger, so schnell wie möglich aktiv zu werden, um nicht von der Situation überrascht zu werden, dass der zu Pflegende schon nach Hause entlassen wird und keine Vorbereitungen getroffen sind.

 
Das für mich als Betrieblicher Pflege-Guide Wichtigste für unsere Mitarbeiter in dieser Notsituation ist die Botschaft, dass sie bei uns in der Firma nicht alleine gelassen werden. Für meine jungen Chefs, Christian und Yvonne, ist das Wert schätzende Miteinander selbstverständlich. Deshalb haben die beiden meine Ausbildung zum Betr. Pflege-Guide auch sofort befürwortet.

 
Wir sind als Betriebliche Pflege-Guides Ansprechpartner im Sinne der Firma, d.h. wir können die Betreffenden über die gesetzlich verankerten Angebote seitens des Arbeitgebers informieren, z.B. den 10-tägigen Pflegeurlaub, der über die Pflegekasse abgerechnet wird – und wir müssen die körperliche u. seelische Belastung unseres Mitarbeiters/Kollegen erkennen und ihn hier unterstützen.

 
Hier noch eine Info an Euch alle, auch wenn das Thema „Pflege“ überhaupt nicht interessant ist: Eine Patientenverfügung und eine Vorsorgevollmacht sollte jeder – egal wie alt er ist – für sich selber abgeschlossen und unterschrieben haben. Denn auch junge Menschen können plötzlich in die Lage kommen, nicht mehr für sich selbst entscheiden zu können. Rechtlich darf der Arzt im Krankenhaus ohne Entbindung der Schweigepflicht zum Beispiel den Eltern keine Auskunft geben. Gerade für uns Unternehmerfrauen und unsere Männer ist es ganz wichtig, gegenseitig alle Vollmachten zu haben, vor allem auch im Fall des Falles einen Bevollmächtigten für die minderjährigen Kinder zu bestimmen.
Wenn die Vollmacht fehlt, muss ein gerichtlich bestellter Fremder bevollmächtigt werden, der dann womöglich auch noch über Firmenbelange entscheiden kann.

 
Wir bekamen eine Menge Unterlagen, die wir unseren Mitarbeitern weitergeben können, einen ganzen Ordner, auch Infolinks, unter anderem die Notfallmappe, die Ihr bestimmt schon kennt.

 

Schwierige Situationen im Leben machen Angst und treffen uns umso härter, wenn wir unvorbereitet sind. Deshalb ist es so immens wichtig, sich rechtzeitig zu informieren und gut vorbereitet zu sein.

Durch die Ausbildung zum Betrieblichen Pflege-Guide habe ich viel Einblick bekommen, was ich auch persönlich interessant fand. Es gibt ja auch im Freundes- und Familienkreis schon die eine oder andere bittere Erfahrung.

 
Deshalb kann ich Euch allen diese Ausbildung nur empfehlen. Sie dauert zwei volle Tage und soll 2018 wieder im UFH-Programm angeboten werden. Nach Abschluss besteht auch die Möglichkeit, den Betrieb in die Pflege-Charta eintragen zu lassen und sich damit zu einer pflegesensiblen Personalpolitik zu bekennen. Bei einem Festakt werden die Urkunden überreicht und damit kann jeder Betrieb auch nach außen signalisieren, dass das Thema „Pflege“ nicht tabu ist.

 
Zum Schluss sag ich Euch noch was, aber im Grunde wissen das schon alle, die mich kennen: Für mich das Beste an dieser Ausbildung zum Pflege-Guide war die Gesellschaft mit den teilnehmenden Unternehmerfrauen! Warum? Weil ich mich in Eurem Kreis stets sehr wohl fühle und es mir einfach immer sehr viel Spaß macht, mit Euch etwas zu unternehmen, gemeinsam zu lernen und miteinander auf dem Weg zu sein.

 
In den letzten 25 Jahren habe ich mit UFH schon so viel Schönes und Wertvolles erlebt und seit 25 Jahren weiß ich: Ihr seid einfach toll!

 
Vielen Dank.
Ursula Simon
und falls Ihr noch Fragen habt, mailt mich einfach an: ursula@simonmetall.de

 

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